
8x33 aus Königswartha mit der Kennung 04 auf dem Hülsenboden
Aus Produktion der ehm. DDR 1965
Seit den 20ern waren die Deutschen damit beschäftigt eine Kurzpatrone zu entwickeln. Das Ziel war es den Soldaten mit einem automatischen Gewehr auszustatten, welches eine stärke Kampfkraft besitzt als Maschinenpistolen in 9 mm Luger. Im Laufe des 1. Weltkrieges erlangte man die Erkenntnis, daß die vorhandene 8x57 Patrone für den Einsatz von Gefechten um die 400 m nicht optimal geeignet war. Anfang der 30er meldeten die ersten aus militärischen Kreisen ihr Interesse an einer Patrone für mittlere Reichweiten an. Die große erreichbare Schußweite des Gewehr 98 und ihrer 7,9 mm Patrone konnte nie richtig ausgenutzt werden. Somit wurde in einem Entwurf für einen Entwicklungsauftrag festgelegt, daß die neue Patrone eine kürzere Hülse, kleineres Geschoß und weniger Treibladung benötigt, jedoch gewisse Punkte bei Reichweite, Größe und Herstellungsverfahren nicht überschritten werden dürfen. Die gesamten Herstellungskosten konnten mit einer neuen Patrone die weniger Rohstoffe benötigt deutlich gesenkt werden, ohne dabei auf die optimale Gefechtsleistung verzichten zu müssen.
Schon 1927 entwickelte die Firma Rheinmetall-Borsig die Kurzpatrone 8x42,5 mm. Das Selbstladegewehr "Gewehr 28" (System Heinemann, Karl Heinemann) mit einem 20 Schuß Magazin wurde hierfür gebaut. Heinemann war Ingenieur bei Rheinmetall. 1934 legt RWS "Rheinisch-Westfälische Sprengstoff AG, Nürnberg" eine sehr leitungsstarke Versuchspatrone vor, die die metrischen Maße 8,15x46 mm besaß. Die aus Messing hergestellte Hülse besaß ein normales 198 gr. schweres Spitzgeschoß und wurde mit "N. 8 x 46" bestempelt. Unabhängig von RWS entwickelte auch "Gustav Genschow & Co" kurze Gewehrpatronen. Heute ist nicht mehr bekannt, welche dieser beiden Firmen einen amtlichen Forderungs- und Entwicklungsauftrag vom Heereswaffenamt, WaPrüf1 (Ballistik und Munition) bekommen hat. Schließlich ging "Geco" mit dem vielversprechendsten "M35" Versuch hervor. Die 7,75x39,5 mm konnte ab Mai 35 getestet werden. Der Patronenboden dieser 55 mm langen Messingpatrone wurde mit "Geco M.35" gestempelt. In nur vier Monaten wurde von Heinrich Vollmer bei Genschow ein Maschinenkarabiner für diese Patrone entwickelt. Ab Juni 35 konnten die ersten Prototypen mit der Bezeichnung "M 35" oder "Apparat 35" erprobt werden. In Biberach konnte am 22. 06.1935 120 Schuß aus dem M 35 abgegeben werden. Jedoch war dem WaA die Kadenz der Waffe zu hoch und forderte eine Reduzierung auf 350 S/min. Die "M 35 II" und "M 35 III" entsprach dieser Forderung und die Entwicklung wurde bis 1939 fortgesetzt. Das WaA teilte am 22.08.1939 Genschow und Vollmer jedoch mit, daß Waffe und Patrone endgültig abgelehnt wurden.
Interessant ist außerdem die ursprünglich für die Luftwaffe entwickelte Patrone 7x39 mm (DWM 581) von den "Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken" DWM Mitte der Dreißiger. Bei DWM als "Bergmannpatrone" in den Unterlagen sollte sie vermutlich in einem unbekannten Bergmann Maschinengewehr zur Erprobung in Flugzeugen eingesetzt werden. Zwischen 1937 und 39 erprobte "Walther" die DWM Patrone mit einen eigenen entwickelten Maschinenkarabiner. 1943 wurde diese Patrone in Mauers "Gerät 06 H" verwendet.
Viele dieser Patronen erwiesen sich als ziemlich zufriedenstellend, jedoch wurde jeder weitere Versuch eine Kurzpatrone zu entwickeln vom Heer strikt abgelehnt. Die vorhandene Standartpatrone mit der großen Reichweite, eingesetzt in Karabinern und Maschinengewehren, würde weiterhin der größte Faktor in einem Krieg darstellen, war die festgefahrene Meinung der meisten Militärs.

Metrische Maße der Polte 8x33 mm
Ohne Genehmigung des Generalsstabs vergab das WaA 1938 einen amtlichen Auftrag an die "Polte" Patronenfabrik in Magdeburg. Im wesentlichen beruhten die Entwicklungen Poltes auf denen von DWM, Geco oder RWS. Jedoch wurden auch Patronen mit einer Hülsenlänge von 30 - 40 mm und Geschossen von 100 - 130 gr. getestet. Es sollte nun in minimaler Entwicklungszeit zu einer Patrone in Produktionsstadium kommen. Polte verzichtete deshalb auf die Entwicklung einer neuen Patrone und entschied sich viele Eigenschaften der 8x57IS Patrone miteinzubeziehen. 1940 entstand ein annehmbarer Entwurf, der 1941 übernommen wurde. Somit bekam die 8x33 mm die neue Bezeichnung "7,9 Infanterie-Kurzpatrone".
Im Prinzip ist die Kurzpatrone eine eingekürzte 7,92x57 mm Patrone mit weniger Treibladung und leichterem Geschoß. Auf kurze und mittlere Entfernungen erzielt sie gute Leistungen, liegt aber bei Weitem unter der 8x57IS. Die Polte-Entwicklung hatte gegenüber von DWM, RWS usw. den entscheidenden Vorteil, daß Maschinen, Werkzeuge, Materialen und Fertigungsmethoden zur Produktion der großen Patrone auch in der Kurzpatronen-Herstellung Verwendung fanden. 1941 und 42 war das Werk Magdeburg, Polte, der einzige Hersteller der Patrone. Die Bezeichnungen der Patrone änderte sich im Laufe der Zeit, um mit den Bezeichnungs-Änderungen der Waffensystemen mitzuhalten. Inoffiziell gab es auch folgende Bezeichnungen "PP43", "PiPa43", "7,92 Kz 43" oder nur "7,92 Kurz" bekannt. "PiPa" und "PP" stehen für "Pistolenpatrone".
| 1941 |
7,9 Infanterie-Kurzpatrone |
| 1942 |
Maschinenkarabinerpatrone S |
| 1943-44 |
Pistolenpatrone 43 m.E. |
| 1945 |
Kurzpatrone 43 m.E. |
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